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22. April 2008 Im Februar erst hatte der Brockhaus-Verlag angekündigt, seine berühmte Enzyklopädie künftig frei zugänglich ins Internet zu stellen und keine gedruckte Version mehr zu publizieren - eine Aussage, die inzwischen vorsichtig revidiert worden ist; möglicherweise wird es doch noch eine weitere, die dann 22. Druckauflage geben. Dennoch sieht Brockhaus seine Zukunft eindeutig im Netz. Da überrascht es um so mehr, dass Wikipedia nun den umgekehrten Weg beschreiten möchte: Im September wird das Online-Lexikon, an dem jeder mitschreiben darf, erstmals als Buch erscheinen. Umgesetzt wird das Vorhaben vom Bertelsmann Lexikon Institut, das zum Wissen Media Verlag und damit zum Bertelsmann-Konzern gehört.
Die gedruckte Wikipedia soll vom September 2008 an im Buchhandel erhältlich sein. Preis: 19,95 Euro. Als kompaktes „lexikalisches Jahrbuch“ präsentiert es Einträge zu 50.000 Stichwörtern. Das ist nur ein Bruchteil der laut Wikipedia im Netz versammelten gut 740.000 Artikel (Stand: 22. April), die sich kaum in einem einzelnen Buch bündeln ließen. „Eine spannende Auswahl“ habe man getroffen, verspricht die Verlagsleiterin Beate Varnhorn, nämlich die 2007/2008 meistgesuchten Stichwörter und Informationen zusammengetragen. Die Einträge wurden zudem deutlich gekürzt und überarbeitet. Die Auswahl, so Varnhorn, sei „spektakulär und unique“. Anders als Brockhaus, so die Verlagschefin, „bewerten wir den Markt für Print-Lexika weiterhin positiv“. Durch die Marke und das Produkt Wikipedia wolle man „neue, vor allem jüngere Zielgruppen gewinnen“.
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Näher am Ziel
Der Verein Wikimedia, der hinter der Wikipedia steht, soll für jede verkaufte Ausgabe die vergleichsweise bescheidene Summe von einem Euro erhalten. Gleichwohl finde man „es toll, dass das Bertelsmann Lexikon-Institut von dem Angebot an die Allgemeinheit Gebrauch macht, die Inhalte der Wikipedia zu verbreiten“, so Arne Klempert, Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland. Auch gegen die Zusammenarbeit mit einem Konzern scheinen die Wikipedianer keine ideologischen Vorbehalte zu hegen. Entscheidend sei, sagt Klempert, „unserem Ziel näher zu kommen, nämlich allen Menschen möglichst viel Wissen zugänglich zu lassen“.
Dass die vielen Wikipedia-Beiträger demnächst zu Buchautoren werden, dürfte sie „mit Stolz erfüllen“, glaubt Klempert. „Ganz besonders freut uns dabei dass die Inhalte auch überarbeitet werden sollen, also am Ende verbesserte Wikipedia-Artikel zur Verfügung stehen, die dann auch wieder die Online-Enzyklopädie bereichern können.“ Dass ausgerechnet Wikipedia damit dem Lektorat eines großen Verlags bescheinigt, eben doch bessere Qualität zu garantieren als den vielen freiwilligen Schreibern und Redigierern, ist nur ein Widerspruch dieses ungewöhnlichen verlegerischen Projektes.
Tags: Bertelsmann, Buch, Enzyklopädie, Wikipedia